RW63: Vermietung als durchgängig digitaler Prozess

30 möblierte Studenten-Apartments in Saarbrücken, semesterweise vermietet – Verfügbarkeit, Buchung, Mietvertrag, Zahlung und Zutritt ohne Papier und ohne Besichtigungstermin.

Ausgangslage

Ein Wohnhaus, das zweimal im Jahr neu belegt wird

Das RW63 ist ein Wohngebäude in der Richard-Wagner-Straße 63 in Saarbrücken, mitten im Nauwieser Viertel. Es umfasst 30 möblierte Studenten-Apartments: 24 Single-Apartments mit rund 20 bis 26 Quadratmetern und 6 Duplex-Apartments mit rund 32 bis 35 Quadratmetern für zwei Personen. Vermietet wird all-inclusive – Wasser, Heizung, Strom und Internet sind in der Miete enthalten.

Vermietet wird semesterweise. Einzug ist zum 1. April oder zum 1. Oktober, die Mindestmietdauer beträgt ein Semester. Das heißt: Zweimal im Jahr steht ein erheblicher Teil der 30 Wohnungen zur Neuvergabe an, und zwar innerhalb weniger Wochen. Die Zielgruppe sind Studierende der Universität des Saarlandes und der htw saar, darunter viele, die aus dem Ausland kommen.

Problem

Klassische Vermietung passt nicht zum Semesterrhythmus

Der übliche Ablauf einer Wohnungsvermietung sieht so aus: Anfrage per E-Mail, Besichtigungstermin, Unterlagen auf Papier, Mietvertrag zum Unterschreiben, Überweisung, Schlüsselübergabe vor Ort. Jeder dieser Schritte setzt voraus, dass sich zwei Menschen zeitlich abstimmen.

Bei einer semesterweisen Vermietung an internationale Studierende bricht dieser Ablauf an mehreren Stellen. Wer im Juli aus dem Ausland ein Apartment für den 1. Oktober sucht, kann nicht zur Besichtigung kommen, hat oft noch kein deutsches Bankkonto und ist nicht vor Ort, um einen Vertrag zu unterschreiben oder einen Schlüssel abzuholen. Gleichzeitig ist die häufigste Frage immer dieselbe: Was ist überhaupt noch frei? Eine von Hand gepflegte Belegungsliste ist genau in der Buchungsphase veraltet, in der sie am wichtigsten wäre.

Wie hoch der Einsatz auf der anderen Seite ist, zeigt ein typischer Fall: Ein Student aus China erhält die Zulassung, steigt ins Flugzeug und steht zum ersten Mal in seinem Leben in Deutschland – mit einem Hotelzimmer für vielleicht 14 bis 30 Tage und der Aufgabe, in dieser Zeit eine Wohnung zu finden. Ohne deutsches Bankkonto, ohne hiesige Nachweise, oft ohne die Sprache zu sprechen – in einem Wohnungsmarkt, der auf Besichtigungstermine, Papierunterlagen und persönliche Übergaben gebaut ist. Was für Einheimische lästig ist, ist aus dieser Lage heraus kaum zu schaffen: Jeder Tag Suche kostet Geld, und am Ende der Hotelbuchung steht ein hartes Limit.

Die Aufgabe war deshalb nicht, eine Website zu bauen, auf der man ein Kontaktformular ausfüllt. Die Aufgabe war, den Vermietungsprozess so zu entwerfen, dass er ohne persönliche Anwesenheit funktioniert.

Lösung

Ein Ablauf, der von der Auswahl bis zum Schlüssel durchläuft

Der Prozess wurde vom Ende her gedacht und in fünf Schritte zerlegt, die eine Interessentin allein und rund um die Uhr durchlaufen kann:

  1. Apartment auswählen. Für jedes der 30 Apartments gibt es eine eigene Seite mit Typ, Etage, Wohnfläche, Miete und dem Status frei oder belegt für das jeweilige Semester.
  2. Unverbindlich reservieren und anmelden. Persönliche Daten eingeben, Ausweis und Immatrikulationsbescheinigung hochladen. Bis hierhin entsteht keine Verpflichtung.
  3. Prüfung. Die hochgeladenen Unterlagen werden geprüft, bevor ein Vertrag erzeugt wird.
  4. Mietvertrag digital unterschreiben. Erst mit der Unterschrift wird die Buchung verbindlich.
  5. Miete und Kaution per Karte zahlen, danach folgen die Zutrittsinformationen.

Für den gesamten Durchlauf stehen 72 Stunden zur Verfügung. Diese Frist ist kein Detail, sondern die Antwort auf ein reales Problem: Ohne sie blockieren unvollständige Reservierungen in der heißen Phase genau die Apartments, die andere buchen wollen.

Der letzte Schritt der Kette ist der Zutritt selbst. Statt Schlüsselübergabe öffnet das Smartphone der Mieterin die Wohnungstür – damit endet der digitale Prozess nicht an der Haustür, sondern schließt sie ein.

Technik

Was dafür zusammenspielen muss

Der Ablauf berührt fünf Systeme, die einzeln nichts voneinander wissen. Die Arbeit steckt in den Übergängen.

Buchungssystem
Eigene Anwendung unter app.rw63.de, getrennt von der Website. Sie führt Belegung, Reservierungen, Fristen und Dokumente je Semester.
Verfügbarkeit
Website und Apartment-Detailseiten zeigen den Stand je Semester. Der Verfügbarkeitssatz in der maschinenlesbaren llms.txt der Website wird alle 15 Minuten automatisch aus dem Buchungssystem aktualisiert.
Identitätsprüfung
Upload von Ausweis und Immatrikulationsbescheinigung, Prüfung vor Vertragserstellung.
Vertrag
Digitaler Mietvertrag, abgesichert über ein qualifiziertes elektronisches Siegel (EU Qualified Electronic Seal CA G2).
Zahlung
Abwicklung über Stripe: Kreditkarte (VISA, Mastercard, American Express, Diners Club), Apple Pay, Google Pay, PayPal, Alipay und weitere – ein deutsches Bankkonto ist nicht erforderlich.
Zutritt
Smartlock-Anbindung: Das Smartphone öffnet die Wohnungstür per Bluetooth.
Webplattform
Zweisprachig deutsch und englisch, mit eigener Seite für internationale Studierende, Themenseiten zu Lage und Wohnheim-Alternative sowie Detailseiten für alle 30 Apartments.
Ergebnis

Buchbar ohne Termin, ohne Papier, ohne deutsches Konto

Eine Buchung läuft heute vollständig online ab, auch aus dem Ausland und außerhalb der Bürozeiten. Der Verfügbarkeitsstand auf der Website entspricht dem Stand im Buchungssystem, statt von Hand nachgezogen zu werden – das erspart die Rückfragen, die vorher den größten Teil der Kommunikation ausgemacht haben. Und der Student aus dem Beispiel oben muss keine Wohnung mehr vom Hotelzimmer aus suchen: Apartment, Vertrag und Zahlung sind erledigt, bevor das Flugzeug landet – vor Ort öffnet das Smartphone die Wohnungstür.

Die öffentlich auf rw63.de ausgewiesenen Zahlen zum Zeitpunkt dieser Fallbeschreibung: 90 Prozent Auslastung im Sommersemester 2026, über 410 gebuchte Wohnmonate für Aufenthalte ab Oktober 2025 und eine Verlängerungsquote von 65 Prozent. Die letzte Zahl ist die interessanteste, weil sie nicht die Buchungsstrecke misst, sondern das, was danach kommt.

Was das Projekt außerdem zeigt: Ein sauber geführter Buchungsbestand ist mehr wert als eine Belegungsliste. Er speist die Website, die englische Fassung und die maschinenlesbare Kurzfassung für KI-Systeme aus derselben Quelle.

Was dieser Fall zeigt

RW63 ist ein Beispiel für Prozessdigitalisierung von Anfang bis Ende: Verfügbarkeit, Online-Buchung, Identitätsprüfung, Vertrag, Zahlung, Zutritt und Self-Service gehören zu einem einzigen Ablauf, nicht zu sieben Einzellösungen. Dafür mussten Zahlungsanbieter, elektronische Signatur und Schließsystem so integriert werden, dass der Nutzer die Übergänge nicht bemerkt – und die Webplattform ist Teil des Vertriebs, mit zweisprachigem Auftritt, eigenen Themenseiten und einem maschinenlesbaren Verfügbarkeitsstand für KI-gestützte Suche. Wer nur ein Stück davon liefert, löst das Problem nicht: Eine schöne Website ohne Buchungsstrecke erzeugt nur mehr E-Mails.

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